Station 8: Dorfbrand

Station 8: Dorfbrand

In der Nacht vom 15. auf den 16. September 1942 zerstörte ein Großbrand das Ortszentrum südlich der beiden Kirchen.
Brandruinen 1942 Blickrichtung Bifang. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.
Brandruinen 1942 Blickrichtung Bifang. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.

Feuerkatastrophe mit schweren Folgen

Insgesamt wurden 14 Häuser eingeäschert. 16 Familien wurden obdachlos. Notburga Oberacher half ihren Nachbarn bei der Rettung von Haushaltsgegenständen und starb dabei. Sie wurde 32 Jahre alt.

Sterbebild für Notburga Oberacher, „Opfer der Nächstenliebe beim Brandunglück von Serfaus“. Bildquelle: https://www.sterbebilder.schwemberger.at
Sterbebild für Notburga Oberacher, „Opfer der Nächstenliebe beim Brandunglück von Serfaus“. Bildquelle: https://www.sterbebilder.schwemberger.at
Nach dem Brand 1942. Ansicht von der Puint in Blickrichtung Kirche. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.
Nach dem Brand 1942. Ansicht von der Puint in Blickrichtung Kirche. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.

Erinnerungen an die Brandnacht

Hermann Althaler (1932–2021), der bereits als Kind von seinem Vater den Mesnerdienst in der Kirche übernahm, war zum Zeitpunkt der Brandkatastrophe erst zehn Jahre alt. Er half beim Versuch, zu retten, was noch zu retten war, und erinnert sich in einem zutiefst berührenden Interview im Zeitzeugen-Archiv der Gemeinde Serfaus an diese Nacht im September 1942 (siehe auch Station 17 Kirchturm).

Das Zeitzeugen Interview kann unter folgendem Link nachgeschaut werden:

Brandbereich Kirche 1942. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.
Brandbereich Kirche 1942. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.

Der Dorfbrand im Schatten des NS-Regimes

Während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) war die Brandkatastrophe in der regionalen und überregionalen Presse nur eine Randnotiz. Gauleiter Franz Hofer, einer der wichtigsten Gefolgsmänner Adolf Hitlers im „Alpengau Tirol-Vorarlberg“ und einer der größten NS-Verbrecher auf österreichischem Boden, kündigte rasch Hilfsmaßnahmen an. Am 29. September stattete er Serfaus einen Besuch ab. Während der Gauleiter kaum eine Gelegenheit ausschlug, sich persönlich am Vermögen seiner Opfer zu bereichern, inszenierte er sich bei dieser Gelegenheit als Menschenfreund.

Notiz in der Kleinen Volkszeitung vom 19. September 1942. Bildquelle: ANNO. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften.
Notiz in der Kleinen Volkszeitung vom 19. September 1942. Bildquelle: ANNO. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften.

Hilfsbereitschaft wird ideologisch vereinnahmt

In der Presse wurde die Nachricht vom Serfauser Dorfbrand ganz in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie gestellt. In den Innsbrucker Nachrichten wurde der Kreisleiter zitiert. Dieser stellte „die zersetzende Arbeit des internationalen Judentums, die darauf hinzielt, alle Kulturvölker in das bolschewistische Chaos zu stürzen“ dem Gemeinschaftssinn des deutschen Volkes gegenüber, der sich „auch in Serfaus nach dem Brandunglück bewährt“ habe.

Innsbrucker Nachrichten vom 26. Oktober 1942. Bildquelle: ANNO. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften.
Innsbrucker Nachrichten vom 26. Oktober 1942. Bildquelle: ANNO. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften.
Tag nach dem Brand 1942. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.
Tag nach dem Brand 1942. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Unter den Bedingungen des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegsjahre war der Wiederaufbau unglaublich mühsam. Hinzu kamen die damaligen Verkehrsverhältnisse: Steine, Sand, Zement und Holz mussten teils über schmale und steile Wege herangeschafft werden. Erst nach Kriegsende gelang es, anstelle der abgebrannten Häuser und Wirtschaftsgebäude neue Gebäude zu errichten.

Die Tiroler Tageszeitung berichtete am 23. März 1948 vom Wiederaufbau von Serfaus. Zugleich mit dem Bau von neuen Wohnhäusern wurde die Planung eines zweiten Elektrizitätswerks vorangetrieben. Bildquelle: ANNO. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften
Die Tiroler Tageszeitung berichtete am 23. März 1948 vom Wiederaufbau von Serfaus. Zugleich mit dem Bau von neuen Wohnhäusern wurde die Planung eines zweiten Elektrizitätswerks vorangetrieben. Bildquelle: ANNO. Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften

Wiederaufbau und Wandel des Dorfbildes

Mitte der 1950er Jahre, im Jahrzehnt der „Wirtschaftswunderjahre“, symbolisierte der Aufstieg von Serfaus aus den Brandruinen den „unerschütterlichen Aufstiegswillen einer tatkräftigen und opferbereiten Gemeinde“, in der sich „uralt“ und „nagelneu“ noch harmonisch gegenüberstanden. Das Aussehen des Dorfes änderte sich grundlegend. Das rätoromanische Haufendorf ist seit der Katastrophennacht im September 1942 weitgehend verschwunden. Das Brandereignis selbst hinterließ in den Erinnerungen vieler Serfauser Familien tiefe Spuren.

Blickrichtung Kirche. Gegenüberstellung der Ansicht in der Brandnacht und zwölf Jahre später. Ausschnitt aus dem Artikel „Serfaus ist nicht mit Brettern vernagelt“ in den Tiroler Nachrichten vom 7. Dezember 1954 (Autor: H. F. Gundolf). Bildquelle: ANNO. Historische Österreichische Zeitschriften und Zeitungen.
Blickrichtung Kirche. Gegenüberstellung der Ansicht in der Brandnacht und zwölf Jahre später. Ausschnitt aus dem Artikel „Serfaus ist nicht mit Brettern vernagelt“ in den Tiroler Nachrichten vom 7. Dezember 1954 (Autor: H. F. Gundolf). Bildquelle: ANNO. Historische Österreichische Zeitschriften und Zeitungen.
Zuletzt aktualisiert am: 03.09.2026