Station 10: Hotel Furgler

Eröffnung des „Gasthof Furgler“ 1924
Als damals immer mehr Skifahrerinnen und Skifahrer den Weg nach Serfaus fanden, wurde es in den beiden bestehenden Dorfwirtshäusern bald zu eng. 1924 eröffnete Klemens Westreicher in seinem Bauernhaus als dritte Gaststätte im Ort den „Gasthof Furgler“. Das Bild zeigt die unternehmerische Wirts- und Bauernfamilie auf ihrer ersten Silvesterfeier im neuen Etablissement. Neben dem Wirt Klemens in der Bildmitte sitzt seine Tochter Gusta Westreicher. Ohne die Arbeit von Frauen wie der Wirtstochter Gusta in der Küche, im Service und in den Zimmern wäre die touristische Entwicklung von Serfaus sicher nicht möglich gewesen. Im Hintergrund stehend neben dem Kruzifix ist Sohn Hugo Westreicher zu sehen.

Der Gasthof Furgler und der frühe Skisport
Der Gepäcktransport zum Gasthof erfolgte zu dieser Zeit noch mit einem Pferdeschlitten. Das Bild zeigt den Schlitten vor dem Gasthof Furgler im Jahr 1940. Drei Jahre zuvor war der Skiclub Serfaus-Komperdell gegründet worden. Für die Skirennen, die dieser Club veranstaltete, stiftete der Wirt des Furgler einen Wanderpokal. Selbstredend fand nach dem Rennen auch der abendliche Skiball in seinem Gasthof statt.

Abfahrtslauf Planseck–Serfaus 1938
Ankündigung des Abfahrtslaufs Planseck–Serfaus am 30. Jänner 1938 in der Zeitung

Im Furgler ist man zusammengekommen
Nicht nur die Skibälle wurden im „Furgler“ veranstaltet. In einem Interview für die Chronik Serfaus berichtete Robert Westreicher (1937–2022), dass es hier selbstverständlich auch den allsonntäglichen Stammtisch der Männer nach dem Gottesdienst gab und dass überhaupt alle größeren Versammlungen der Gemeinde und der Vereine in der dortigen Gaststube stattfanden. Immerhin gab es im Ort noch keinen öffentlichen Versammlungssaal und der Wirt vom Furgler, Roberts Vater Hugo, war außerdem lange Jahre auch Bürgermeister.
Das Interview lässt sich hier nachhören:
Skitouren in Serfaus um 1910
Wer sich für die Serfauser Skitouren des Innsbrucker Skiclubs im Jahre 1910 interessiert, kann sich in einem Artikel darüber informieren, der im Buch zur 800-Jahr-Feier der Gemeinde 2020 erschienen ist (S. 110–112):
Die Entdeckung eines Skiparadieses
Von Maria Heidegger
Vor 110 Jahren, im März 1910, machten sich vier Mitglieder des Skiclubs Innsbruck auf den Weg, um die für Skifahrer*innen noch weitgehend unbekannte Bergwelt von Serfaus zu entdecken. Ihre Touren, die der Innsbrucker Hans Handl (Gewinner des ersten Arlberger Skirennens am 5. Jänner 1904) für die in Wien erscheinende Zeitung „Der Fremdenverkehr“ schilderte, fordern uns heute Respekt ab. Ohne moderne Aufstiegshilfen war die Vierergruppe, bestehend aus einer Frau und drei Männern drei Tage am Berg unterwegs. Die Anreise aus Innsbruck erfolgte „umweltfreundlich“ mit der Eisenbahn nach Landeck und von dort mit dem Postwagen nach Prutz. In Prutz schulterten die vier ihr Gepäck und die Skier und stiegen in einer dreiviertel Stunde nach Ladis hinauf. Mit den „Gleithölzern“ an den Füßen ging es weiter nach Fiss und nach einer weiteren Stunde „flach um den Beutelkopf herum“ nach Serfaus. Dort nahmen sie Quartier in einem der zwei einfachen Dorfgasthäuser und freuten sich auf den folgenden Tag: „Am Eingange des Dorfes bot sich unseren erwartungsvollen Blicken die Einsicht in das dahinterliegende Almgebiet und entlockte uns Ausdrücke hellen Entzückens: das war echtes und rechtes Skiland; wir hatten den Weg hieher nicht umsonst getan!“
Früh am nächsten Morgen holte man sich beim Pfarrer – „selbst ein Skijünger“ – noch einige gute Ratschläge ab. Vom Westende des als „romantische Siedelung“ mit etwa 600 Einwohnern beschriebenen Dorfes starteten die Innsbrucker Alpinist*innen dann über die Bachbrücke und einen ausgefahrenen Holzweg durch den Wald aufwärts und erreichten mit Skiern die Kuppe des Gallmotz auf 1922 Höhenmeter: „Durch prächtigen Blätterschnee“ fuhren sie zum Sattel hinab und jenseits durch lichten Wald zur Spitze des Alpkopfes (2012): „Zu unseren Füßen lag die Komperdell-Alpe (1920), deren stundenweit gedehnte Flächen und Hänge jedes Skifahrerherz begeistern müssen.“ Vom Alpkopf abfahrend, erreichte die Gruppe in kurzer Zeit die darunter liegenden Almhütten und stieg von dort dem Lausbach entlang talein, erst sanft ansteigend, dann scharf aufwärts hinauf auf den Arzkopf. Von dort querten die vier die Hänge zur Scheid und gelangten – vorsichtig – über den Kamm zur Lazid-Spitze (2384). Von dort blickten sie auf das Lawenstal hinunter.
Von der Scheid fuhren sie nun ein Stücklein ins „Moos“ hinab, einem weiten langgestreckten Talkessel, der sich bis zum Arrezjoch hinaufzieht. „Gar einladend steht der doppelgipfelige Pezidkopf vor uns und als ganz selbstverständlich sieht jeder von uns in ihm unser nächstes Ziel“, schreibt Handl. Um dorthin zu gelangen, stiegen die vier zunächst auf den Ostgrad hinauf, schulterten die Skier dann und erreichten bald den Südgipfel des Pezidkopfes (2770). Dort, wo sich heute unweit der Bergstation der Pezidbahn das Bergpanorama mit Hinweistafeln erschließt, ließen die vier Freunde damals ihren Blick ungehindert „über die ganzen Alpen“ schweifen, bevor sie auch noch den Nordgipfel des Pezid erstiegen. Voll Sehnsucht blickten sie dort in noch weitere unerschlossene Skiparadiese:
„Unter uns liegt der große Lawenstalkessel und überm Arrezjoch drüben, wohin sich jetzt aller Blicke bewundernd richten – da schimmert uns schier des Skiläufers Märchenland entgegen, so ungeahnt prächtig, unentweiht weiß! Es ist die Maßner- und Ochsenbergalpe, ein dritter und vierter Talgrund, die beiden heute durchmessenen an Schönheit wohl noch übertreffend.“
Während die drei anderen vom Pezid wieder zurück ins Lawenstal abfuhren und dort im „Moos“ auf ihn warteten, querte Hans Handl rasch noch den steilen Südhang des nördlichen Pezidkopfes, um zum flachen Arrezjoch (2589) hinüberzufahren und von dort seine Skier „abwärts schießen“ zu lassen. Den Rückweg nahmen die vier dann wieder gemeinsam aufwärts bis zur Scheid, „dann gabs ein fröhliches Schwingen durchs ganze Laustal, das sich um das Arz-Köpfl herumzieht.“ Nördlich an der Komperdell-Alpe vorüber ging es gegen Abend zurück ins Dorf, wo sie noch lange „froh des herrlichen Tages, heiter und lustig im traulichen Wirtsstübchen“ beisammen saßen.
Am zweiten Skitag hielt sich die Innsbrucker Gruppe auf der Komperdell-Alpe auf. Von Serfaus aus benötigte sie für den Aufstieg dorthin auf dem Almweg und durch den Wald 1 ½ Stunden. „Das war ein Schwelgen in Genüssen den ganzen Tag über: Im Walde der rauschende Blätterschnee, auf den Hängen des Alpkopfs und im Laustal klares Pulver, Schwing- und Springgelegenheit nach Wahl; die zur Rast ladenden Heuhüttchen und dazwischen das stille Bächlein.“
Der dritte Tag war der „Abreisetag“ – natürlich auf Skiern. Die Route führte nach Hochgallmigg und Landeck, was, „wie sich herausstellte, eine prächtige Tour ist“. Ein bisschen verspätet stiegen die vier Freunde auf den breiten Sattel westlich des Beutelkopfs (1784), dann zum Unteren-Sattelkopf (2091) und dem Bergrücken folgend zuletzt steil zum Sattelkopf (2598) hinauf. Während die anderen drei etwas rasteten, stattete der unermüdliche Hans Handl „gleich noch dem nahen Brunnenkopf (2685) eine Blitzvisite ab.“ Gemeinsam ging es dann weiter auf den Zwölferkopf (2596) und zum Schönjöchl (2685). „In der völlig vernachlässigten, halb zerstörten Schönjöchlhütte setzten wir uns zur kurzen Rast“. Unter der warmen Märzsonne waren die südseitigen Hänge verharscht, nordseitig aber, „kaum überm Kamm, tauchten unsere Skier in flaumigen Pulverschnee“. Den glanzvollen Abschluss bildete die Fahrt über die Almböden und durch Zirbenwald hinab zur Schöngampalm.
Literaturhinweis: Hans Handl, Von Landeck um die Samnaungruppe, in: Der Fremdenverkehr Nr. 52, 29. Dezember 1912, S. 9–10.





















