Station 12: Hof St. Zeno

Station 12: Hof Sankt Zeno

Der Hof St. Zeno, um 1400 erbaut, zählt zu den ältesten erhaltenen Gebäuden in Serfaus und steht beispielhaft für die bäuerliche Lebensweise vergangener Jahrhunderte. Diese war durch Realteilung, beengte Wohn- und Besitzverhältnisse sowie harte landwirtschaftliche Arbeit geprägt, während sich die wirtschaftliche Lage erst ab dem späten 19. und vor allem im 20. Jahrhundert langsam verbesserte.
Der Zenohof im Jahr 1932 mit der Zenokapelle am linken Bildrand, dem Zenohügel am rechten Bildrand und Serfaus im Hintergrund. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus

Der Bauernhof

Die Erbauung des Hofs zu St. Zeno wird in die Zeit um 1400 datiert. Er gehört damit zu den ältesten erhaltenen Gebäuden in Serfaus. Das spätmittelalterliche Bauernhaus entspricht dem spezifischen Haustyp des Oberen Gerichts. Der älteste spätgotische Baukern befindet sich im Keller, der teils als Tonnengewölbe ausgeführt wurde.

Der Hof St. Zeno im Winter, Aufnahme ca. 1940. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus

Realteilung

Im Gegensatz zum östlichen Teil Tirols, wo mit der Anerbenregelung entweder der älteste oder der jüngste Sohn einen Hof ungeteilt übernehmen konnte, herrschte im westlichen Tirol und auch in Serfaus die Realteilung vor. Im Laufe der Jahrhunderte wurden so durch die gleichmäßige Verteilung von Gütern auf alle Nachkommen viele Höfe kleiner und sanken teils zu nicht lebensfähigen Zwergbetrieben herab. Dies führte mitunter zu Lebensformen, die in anderen Gegenden wenig bekannt waren, wie etwa Geschwisterhaushalte. Es wurden nicht nur die Feldfluren und Waldteile immer weiter geteilt, sondern auch die Hofstellen. So kam es vor, dass jede Etage oder sogar jedes Zimmer eines Gebäudes einen anderen Eigentümer hatte. Vom Hof St. Zeno wird berichtet, dass noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts drei Familien mit zusammen an die 30 Personen auf dieser Hofstelle lebten.

Diesen weniger erfreulichen Aspekten der Realteilung standen aber auch positive gegenüber. So war beispielsweise die Mobilität von Grund und Boden grundsätzlich höher als in Anerbengebieten. Die relative Kleinteiligkeit der Grundstücke ermöglichte eher An- und Verkäufe, und durch Heirat konnten zerstückelte Kleinstgüter von erbenden Frauen und Männern zu einem Hof vereint werden, der eine Familie ernähren konnte.

Landwirtschaft

Unabhängig von der Form der Erbsitte gab es bis ins 20. Jahrhundert ein gravierenderes Problem: Die über die Jahrhunderte allmählich gestiegene Bevölkerung konnte aus den Erträgen der Landwirtschaft kaum ernährt werden. Aus diesem Grund gingen erwachsene Männer zur Saisonarbeit, etwa nach Frankreich in den Bergbau oder in die Schweiz, und Kinder verdingten sich als so genannte „Schwabenkinder“ als Hilfskräfte bei Bauern in Süddeutschland. Damit waren viele Esser „vom Tisch“ und ein Überleben wurde möglich. Wer im Dorf blieb, musste oft schon als Kind mitarbeiten. Serfauser Zeitzeug:innen berichten, dass Kinder bereits mit fünf Jahren leichte Arbeiten in der Landwirtschaft verrichteten. Mit zwölf oder vierzehn Jahren begann die Arbeit als Hirte auf den Almen, wo sie Kühe molken und das Vieh hüteten.

Die Zeitzeug:innen Interviews könnne unter folgendem Link nachgeschaut werden:

Wirtschaftlicher Wandel

Die Landwirtschaft wurde überwiegend als Grünlandwirtschaft mit Viehhaltung und Milchwirtschaft betrieben. Für die Selbstversorgung gab es aber auch zahlreiche Äcker, die heute fast völlig aus der Landschaft verschwunden sind. Neben Kartoffeln wurde Gerste, Roggen und ein wenig Weizen angebaut. Sofern Bargeld vorhanden war, wurden Produkte zugekauft, die man selbst nicht anbauen konnte, wie etwa Zucker, Kaffee oder Polenta (Maisgrieß).

Im ausgehenden 19. Jahrhundert verbesserte sich die ökonomische Lage allmählich durch verbesserte Transportwege (Eisenbahn, Straßennetz) sowie das größere Angebot an Arbeitsplätzen. Anders als in Industrieorten brachte in Serfaus der beginnende Tourismus erst im 20. Jahrhundert wirtschaftliche Erleichterungen.

Der Hof St. Zeno im Jahr 2024. Foto: Gerhard Siegl

Die Burg und die Herren von Serfaus

Nahe des Hofes lag auf dem Zenohügel die Burg Serfaus. Sie wurde im 13. Jahrhundert errichtet, wurde aber nur kurze Zeit genutzt und dürfte spätestens im frühen 14. Jahrhundert wieder verlassen worden sein. Archäologische Befunde legen eine geordnete Auflassung der Burg nahe, bevor sie durch Feuer zerstört wurde. Die Burg war der Sitz der Herren von Serfaus. Als mutmaßlicher Erbauer gilt Ulrich von Serfaus, der 1251 urkundlich genannt wurde. Da er ein Siegel führte und weitreichende Besitzungen verwaltete, gehörte er zur dünnen Schicht von Ministerialen („Beamte“ von Adeligen, Lehenempfänger). Die männliche Linie der Herren von Serfaus erlosch Ende des 14. Jahrhunderts. Die Burg verfiel zur Ruine, und durch die anderweitige Verwendung der Steine ging die Erinnerung daran verloren. 1972 fanden im Zuge eines privaten Hausbaus erste archäologische Grabungen statt, die in den Jahren von 2000 bis 2008 auf Initiative und mit tatkräftiger Unterstützung des damaligen Serfauser Ortschronisten und Grundeigentümers Alfred Tschuggmall fortgesetzt wurden. Dabei kamen prähistorische, römische und mittelalterliche Siedlungsspuren ans Tageslicht. Gefunden wurden unter anderem Artefakte aus Glas (sog. Nuppengläser), Keramik (Ofenkacheln), Metall (Beschläge) und Stein. Einige Objekte aus der spätrömischen Zeit stammen aus Nordafrika und Kleinasien, was auf ein funktionierendes Händler- und Wegenetzwerk schließen lässt.

Zuletzt aktualisiert am: 16.04.2026