Station 4: Walserhaus

Station 4: Walserhaus

Nicht alle Walserhäuser sehen gleich aus, aber es gibt häufig zu beobachtende Übereinstimmungen in der Bauweise. Charakteristisch sind die an den Hausecken verstrickten Holzbalken. Die Küche ist das Zentrum des Hauses. Sie ist häufig gemauert, während der Rest des Gebäudes in Holzblockbauweise ausgeführt ist. Durch die sonnengeschwärzten Kanthölzer erhalten die Walserhäuser ihr typisches Aussehen. Als Unterbau dienen manchmal Trockensteinmauern, die auch als Keller genutzt werden.
Walserhaus in Serfaus, ca. 1970. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus

Aufbau und Bauweise des Walserhauses

Über die traufseitige Eingangstür wird das Walserhaus zuerst über die Küche betreten. Von hier aus führt eine Tür in einen Wohnraum, der über mehrere kleine, quadratische Fenster über zwei Seiten belichtet wird. Unterhalb dieser Stube befindet sich oft ein Kellerraum. Der Stubenofen dient als Heizung und Backofen. Neben und über der Stube befinden sich die Schlafräume (Kammern). Der obere Schlafraum ist in der Regel den Kindern vorbehalten und durch eine Luke über dem Ofen erreichbar. Wohnhaus und Stall sind zusammengebaut, die Trennung verläuft unter dem Giebel, also längs des Hauses. Der Stall wird von der gegenüberliegenden Traufseite betreten, manchmal gibt es eine Tür von der Küche in den Stall. Der Heuboden erstreckt sich über den Wohnräumen zwischen dem Hausdach und den Raumdecken, das Heu dient dadurch als natürliches Dämmmaterial. Das Walserhaus weist regional unterschiedliche Varianten auf.

Von außen wurden die Fassaden der Walserhäuser mit Moos abgedichtet. Später wurde das Moos gelegentlich durch einen Außenputz aus Mörtel ersetzt, der sich aber auf dem Holz – wie in Serfaus – nicht gut hielt. Auch wenn später der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wurde, bleiben die Spuren des gut gemeinten Renovierungsversuchs sichtbar.

Das Walserhaus in den 1930er Jahren. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus

Die Walser und ihre Siedlungsgeschichte

Die Geschichte der Walser in Vorarlberg und Tirol ist lückenhaft. Aufgrund fehlender Schriftlichkeit sind nicht alle Fragen zu ihren Wanderungen geklärt. Aus ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet im Schweizer Wallis migrierten sie schubweise vom 13. bis ins 15. Jahrhundert in umliegende und sogar weiter entfernte Regionen wie Vorarlberg oder Tirol. Als Gründe für ihr Weggehen werden mehrere Ursachen genannt, wie etwa Übervölkerung, Klimawandel oder politische Verhältnisse.

Vorarlberger und Tiroler Grundherren dürften die neuen Siedler unter der Bedingung aufgenommen haben, dass diese das Land urbar machten und im Konfliktfall als Soldaten zur Verfügung stünden. Grenzstreitigkeiten mit alteingesessenen Nutzergemeinschaften belegen, dass die Walser nicht nur ungenutztes Land beanspruchten. Mit dem Schutz und Willen der Grundherrschaften konnten sie sich aber behaupten.

Die Walser zog es in die Hochlagen, sie gründeten häufig „Almdörfer“. Ihre Wirtschaftsweise bestand aus einer extensiven Grünlandwirtschaft, weshalb sie auf qualitativ höherwertige Böden für den Ackerbau nicht angewiesen waren. Einige Walser zogen von Vorarlberg weiter ins westliche Tirol, etwa in das obere Stanzertal und in das Lechtal. Auch Galtür im oberen Paznaun wurde im 14. Jahrhundert von ihnen besiedelt, sie überlagerten die ansässige romanische Bevölkerung. Walsergruppen sollen bis ins obere Vinschgau im heutigen Südtirol gekommen sein, worauf vereinzelt erhaltene Walserhäuser sowie Flur- und Familiennamen hinweisen. In Serfaus hat sich das Walserhaus an der Kreuzung Untere Dorfstraße/Kirchgasse bis heute erhalten.

Das Walserhaus in den 1930er Jahren. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus
Zuletzt aktualisiert am: 16.04.2026