Station 14: Pfarrkirche

Station 14: Pfarrkirche

Serfaus wurde um 1300 als Sitz einer Pfarre schriftlich erwähnt. Zur Pfarre zählten über Jahrhunderte auch Fiss, Ladis und See im Paznauntal. Um aus diesen Orten an den kirchlichen Feiertagen den Gottesdienst in Serfaus zu besuchen, musste man weite Wege auf sich nehmen. Laut der ältesten erhaltenen Urkunde im Serfauser Pfarrarchiv aus dem Jahr 1332 befahl der damalige Fürstbischof Albert von Brixen dem Prutzer Pfarrer, er solle persönlich die Bewohner von Fiss und Ladis bei Strafandrohung ermahnen, dass diese an den wichtigsten Feiertagen die Kirche in Serfaus besuchen sollten – und nicht mehr die Pfarrkirche in Prutz.
Pfarrkirche (links) mit Kirchturm vor 1983. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus
Pfarrkirche (links) mit Kirchturm vor 1983. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus

Kirchenbau um 1500

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Teil des kirchlichen Ensembles mit Kirchturm, Wallfahrtskirche, Totenkapelle und Widum, und umgeben vom Friedhof, ist ein Werk der Spätgotik. Sie wurde um 1500 erbaut und damals ganz neu mit drei Altären und Kunstwerken ausgestattet. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 29. Oktober 1516. Das vierjochige Langhaus und der zweijochige Chor mit Spitzbogenfenstern sind mit von Kreuzblumen bekrönten Strebepfeilern, sich in zwei Stufen verjüngenden Eckpfeilern und einem gemalten, spätgotischen Maßwerkfries unter dem Traufgesims gegliedert. Aus der Erbauungszeit stammt auch das später, in der Barockzeit teilweise zerstörte Christophorusbild an der Südfassade.

Barocke Umgestaltung

Zwischen 1760 und 1770 wurde die Pfarrkirche im barocken Stil umgestaltet. Das Langhaus erhielt damals neue Wandpfeiler und das gotische Gewölbe einen barocken Verputz. Am 7. August 1760 schrieb Pfarrer Ingenuin Vergehrer an seinen Bischof in Brixen, er wolle die „altvätterische“ Tuffbekleidung am Gewölbe der Kirche ablösen und dafür „ein feines, andächtiges Gemälde in fresco samt einer [ge]ringen aufgetragnen oder gar nur gemahlenen Stoccator“ anbringen lassen.

Mit der Ausmalung der Kirche wurde der aus einer begüterten Gastwirtsfamilie in Pfunds stammende Künstler Philipp Jakob Greil (1729–1787) beauftragt. Dieser war erst ein Jahr zuvor wieder in seine Heimat zurückgekehrt, nachdem er viele Jahre in bayrischen Klöstern gearbeitet hatte und dort den Titel eines kurfürstlichen Hofmalers erhalten hatte. In seiner Heimat war er nun ein vielbeschäftigter Mann. Bis zu seinem Tod malte er schwungvolle Altarbilder und Fresken in zahlreichen Kirchen im Tiroler Oberland, außer in Serfaus noch in St. Leonhard im Pitztal, Kappl im Paznauntal und in Spiss. Im Deckenfresko der Pfarrkirche Serfaus über der Empore porträtierte er dabei auch einige Leute aus dem Dorf, unter anderen den damaligen Pfarrer und Auftraggeber Vergehrer und dessen Kooperator (Hilfspriester) Sailer. Manche Serfauserinnen und Serfauser entdecken noch einige Familienähnlichkeiten, wenn sie während des Gottesdienstes nach oben schauen. Für das Ausmalen der Pfarrkirche erhielt Greil 218 Gulden, sein Lehrling Josef Zangerle aus Fendels, der 130 Tage in Serfaus gearbeitet hatte, bekam 25 Gulden ausbezahlt.

Musizierender Engel. Detail aus dem Deckenfresko von Philipp Jakob Greil (um 1760). Bildquelle: Foto Maria Heidegger
Musizierender Engel. Detail aus dem Deckenfresko von Philipp Jakob Greil (um 1760). Bildquelle: Foto Maria Heidegger

Deckengemälde und Kirchenpatrone

Das vordere Hauptbild Philipp Jakob Greils an der Decke des Kirchenschiffs stellt die Himmelfahrt der Kirchenpatronin, umgeben von musizierenden Engeln, dar. Das hintere Hauptbild an der Decke des Kirchenschiffs – jenes über der Empore – zeigt den Heiligen Josef, den zweiten Kirchenpatron. Der Heilige Josef ist auch Patron der in der Barockzeit in Serfaus gegründeten Jesus-Maria- und Josephs-Bruderschaft (1667). Auf dem Gemälde nimmt Josef wahrscheinlich die Aufnahmezettel in die Bruderschaft entgegen. Sie werden ihm vom Pfarrer bzw. einem Engel weitergereicht. Die Nachweise der Bruderschafts-Mitgliedschaft der frommen Serfauser trägt Josef in sein Buch ein. Der Heilige wurde auch als Patron der Sterbenden angerufen. Diese Bildszene wird ebenfalls von barocken Engeln flankiert, wobei die beiden Engelpaare die Werkzeuge des Zimmermanns Joseph tragen.

Bruderschaften der Barockzeit

Die im 17. und 18. Jahrhundert gegründeten Bruderschaften organisierten und regelten das soziale und kirchliche Engagement der Laien innerhalb von Pfarrgemeinden. Papst Alexander III. erließ 1667 für die Mitglieder der Serfauser Jesus-, Maria- und Joseph-Bruderschaft am Fest des Heiligen Joseph (19. März) alljährlich einen „vollkommenen Ablass“ ihrer Sünden, wenn sie nach verrichteter Beichte und Kommunion die Pfarrkirche zu Serfaus besuchten und dort „um Fried und Einigkeit der christl. Fürsten, Ausreutung [Ausrottung] der Ketzereyen und Erhöhung der h. katholischen Kirche“ ein andächtiges Gebet verrichteten. Vielleicht handelt es sich bei den dem Heiligen Josef auf dem Deckengemälde überreichten Zettel auch um die Beichtzettel, welche die abgelegte Beichte bezeugten. Der Pfarrer hatte nämlich im Auftrag der kirchlichen Obrigkeiten jährlich über die Ablegung der Beichte seiner Beichtkinder Buch zu führen.

Durch Beichte, Gebet und fromme Taten, so glaubten die Bruderschaftsmitglieder, stand der Weg in den Himmel – ohne Umweg über den Aufenthalt der armen Seele im Fegefeuer – offen. Vor dem Tod brauchte man sich nicht zu fürchten. In der Pfarrkirche erinnerte der Blick auf das Deckengemälde daran.

Religiöse Praktiken im Rahmen der Bruderschaften dienten aber nicht nur der Sicherung des Seelenheils nach dem Tod, sie verknüpften auch die persönliche Frömmigkeit mit übergeordneten Interessen des katholischen habsburgischen Kaiserhauses im Kampf gegen das osmanische Reich.

Erdteilallegorie über dem Chor

Wie die Welt im Denken der katholischen Bevölkerung der Barockzeit politisch angeordnet zu sein hatte, zeigt auch das Gemälde über dem Chor der Serfauser Pfarrkirche. Hier stellte der Maler Greil die vier Erdteile als menschliche Allegorien dar. Europa, Asien, Afrika und Amerika huldigen Christus, der sich die Erde untertan macht. Typisch für die Vorstellungen der idealen politischen Weltordnung ist die zentrale Positionierung Europas als Monarchin mit Krone und hermelinbesetztem Mantel. Rechts von Europa kniet die weibliche Allegorie Afrikas, an ihrer linken Seite kauert Asien auf den Stufen. Dahinter steht Amerika mit dunkler Hautfarbe und unbekleidetem Oberkörper, dafür mit Federkrone und Perlenschmuck.

In einem Forschungsprojekt an der Universität Wien wurden zahlreiche Erdteilallegorien in österreichischen Kirchen der Barockzeit näher untersucht.

Hier eine von Josef Köstlbauer verfasste Bildbeschreibung zu Serfaus:

Im Zeitgeist: Wechsel der Kirchenausstattung

Philipp Jakob Greil fertigte nicht nur die Deckenfreskos an, er malte auch die Altarblätter des Hochaltars und der beiden Seitenaltare, die sich durch einen Drehmechanismus auswechseln lassen. Am Hochaltar ist dank dieses Drehmechanismus entweder Greils Krönung Mariens oder ein um 1905 geschnitztes Relief, die Himmelfahrt Mariä darstellend, zu sehen. Zur Zeit der Anfertigung dieses geschnitzten Altarbildes wurde die Kirche erneut den Zeitvorstellungen an der Wende zum 20. Jahrhundert entsprechend umgestaltet. Damals erhielt die Kirche auch neue Glasfenster aus der Werkstatt der Tiroler Glasmalereianstalt in Innsbruck, für die ein Großteil der Serfauserinnen und Serfauser gespendet hatten. Als 1967/68 die Pfarrkirche im Zuge einer neuerlichen Renovierung in ihren barocken Zustand zurückverwandelt wurde, wurden diese Fenster wieder entfernt. Aus der Zeit der Kirchenneugestaltung um 1905/06 stammt auch die silbern glänzende Altarverkleidung, in die der Tabernakel einbezogen wurde. Auf Gerüste aus Holz wurden vergoldete Metallplatten aufgeschraubt und auf diese die reich verzierten ornamentalen Auflagen in Silber befestigt. Es handelte sich bei der dafür ausgelegten Summe von 5000 Kronen um eine sehr kostspielige Anschaffung für die Pfarrkirche.

Wirtschaftsgeschichtlicher Hintergrund

Man fragt sich vielleicht: Wie konnte sich die arme Berggemeinde Serfaus um 1500 eine völlig neuerbaute Pfarrkirche leisten, neben der ersten Pfarrkirche (Wallfahrtskirche), und diese noch dazu mit wertvollen Kunstwerken ausstatten? Serfaus zählte zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu den wirtschaftlich gut gestellten Pfarreien der Diözese, was sich auch an den jährlichen Abgaben an den Fürstbischof von Brixen ablesen lässt. Der Serfauser Pfarrer verfügte über viel Grundbesitz, den er verpachtete. Auch war die Bevölkerungszahl der Gemeinde zum Zeitpunkt des Kirchenbaus im Vergleich zu den folgenden Jahrhunderten danach vergleichsweise groß. Ein Grund war das Florieren des in Serfaus betriebenen Bergbaus. Am „Rotenstein“, einem dolomitischen Felskopf im Laustal, zwei Kilometer westlich vom Kölnerhaus auf Komperdell gelegen, wurde im 15. und 16. Jahrhundert auf rund 2000 Höhenmetern erfolgreich nach Fahlerzen mit Kupfer und Schwefelkiesen geschürft. Als sich jedoch die Gewerkschaft Anfang des 17. Jahrhunderts auflöste, kam der Bergbau vorübergehend zum Erliegen und in Serfaus herrschte daraufhin über lange Zeit große Not.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde zwar wieder mit dem Erzabbau begonnen, und auch noch nach dem Ersten Weltkrieg für ein paar Jahre in den Stollen des Rotenstein gearbeitet, so lebhaft wie zur Zeit des Kirchenbaus um 1500 war dieser Bergbau aber nicht mehr. Seitdem ist es dem frommen Glauben der Stifterinnen und Stifter und der vielen Spenden der Serfauserinnen und Serfauser zu verdanken, dass die Pfarrkirche seit ihrer Erbauung immer wieder neu ausgestaltet und neu belebt wurde.

Blick auf die Pfarrkirche links und den freistehenden Kirchturm vor dem Brand von 1942. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.
Blick auf die Pfarrkirche links und den freistehenden Kirchturm vor dem Brand von 1942. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus.
Zuletzt aktualisiert am: 03.09.2026