Station 8: Dorfbrand

Feuerkatastrophe mit schweren Folgen
Insgesamt wurden 14 Häuser eingeäschert. 16 Familien wurden obdachlos. Notburga Oberacher half ihren Nachbarn bei der Rettung von Haushaltsgegenständen und starb dabei. Sie wurde 32 Jahre alt.


Erinnerungen an die Brandnacht
Hermann Althaler (1932–2021), der bereits als Kind von seinem Vater den Mesnerdienst in der Kirche übernahm, war zum Zeitpunkt der Brandkatastrophe erst zehn Jahre alt. Er half beim Versuch, zu retten, was noch zu retten war, und erinnert sich in einem zutiefst berührenden Interview im Zeitzeugen-Archiv der Gemeinde Serfaus an diese Nacht im September 1942 (siehe auch Station 17 Kirchturm).
Das Zeitzeugen Interview kann unter folgendem Link nachgeschaut werden:

Der Dorfbrand im Schatten des NS-Regimes
Während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) war die Brandkatastrophe in der regionalen und überregionalen Presse nur eine Randnotiz. Gauleiter Franz Hofer, einer der wichtigsten Gefolgsmänner Adolf Hitlers im „Alpengau Tirol-Vorarlberg“ und einer der größten NS-Verbrecher auf österreichischem Boden, kündigte rasch Hilfsmaßnahmen an. Am 29. September stattete er Serfaus einen Besuch ab. Während der Gauleiter kaum eine Gelegenheit ausschlug, sich persönlich am Vermögen seiner Opfer zu bereichern, inszenierte er sich bei dieser Gelegenheit als Menschenfreund.

Hilfsbereitschaft wird ideologisch vereinnahmt
In der Presse wurde die Nachricht vom Serfauser Dorfbrand ganz in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie gestellt. In den Innsbrucker Nachrichten wurde der Kreisleiter zitiert. Dieser stellte „die zersetzende Arbeit des internationalen Judentums, die darauf hinzielt, alle Kulturvölker in das bolschewistische Chaos zu stürzen“ dem Gemeinschaftssinn des deutschen Volkes gegenüber, der sich „auch in Serfaus nach dem Brandunglück bewährt“ habe.


Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Unter den Bedingungen des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegsjahre war der Wiederaufbau unglaublich mühsam. Hinzu kamen die damaligen Verkehrsverhältnisse: Steine, Sand, Zement und Holz mussten teils über schmale und steile Wege herangeschafft werden. Erst nach Kriegsende gelang es, anstelle der abgebrannten Häuser und Wirtschaftsgebäude neue Gebäude zu errichten.

Wiederaufbau und Wandel des Dorfbildes
Mitte der 1950er Jahre, im Jahrzehnt der „Wirtschaftswunderjahre“, symbolisierte der Aufstieg von Serfaus aus den Brandruinen den „unerschütterlichen Aufstiegswillen einer tatkräftigen und opferbereiten Gemeinde“, in der sich „uralt“ und „nagelneu“ noch harmonisch gegenüberstanden. Das Aussehen des Dorfes änderte sich grundlegend. Das rätoromanische Haufendorf ist seit der Katastrophennacht im September 1942 weitgehend verschwunden. Das Brandereignis selbst hinterließ in den Erinnerungen vieler Serfauser Familien tiefe Spuren.






















