Station 9: Dorfentwicklung


Baulicher Wandel in Serfaus
170 Jahre liegen zwischen den beiden Auszügen aus der Katastermappe, die eindrücklich aufzeigen, wie stark sich Serfaus in dieser Zeit baulich entwickelt hat. 1857 bildeten die Gebäude an der (heute so genannten) unteren Dorfstraße gemeinsam mit der Kirchgasse und Matschöl das Siedlungszentrum. Der Muirenhügel lag damals am östlichen Dorfrand. Die Gebäude außerhalb des Dorfkerns waren fast ausschließlich Einzelhöfe und Kapellen, die mitunter lange Fußmärsche von der Kirche entfernt lagen, wenn man etwa an das Serfauser Feld oder St. Georgen denkt. Insgesamt wurden 1857 knapp 100 Gebäude in Serfaus gezählt. 170 Jahre später hat sich das Siedlungsgebiet zwischen der Talstation der Komperdellbahn und dem Parkplatz am östlichen Dorfrand enorm verdichtet. Die Zahl der Gebäude stieg zwischen 1950 und 2010 stark von 100 auf etwa 350 und explodierte nach 2010 in gut 15 Jahren auf annähernd 550.

Bevölkerungswachstum und Bergbau
Bevor der Tourismus ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Wirtschaftsstrukturen von Serfaus grundlegend änderte, war die Zahl der Gebäude über Jahrhunderte konstant. Anders verhielt es sich mit der Bevölkerung in Serfaus. Sie stieg vom 15. Jahrhundert bis 1800 um das Vierfache, im Bundesland Tirol in diesem Zeitraum jedoch nur um das Dreifache. Dieser überproportionale Anstieg dürfte auf einen prosperierenden Bergbau zurückzuführen sein, der Bergleute anzog. Sogar aus der „Silberstadt“ Schwaz, die im 15. und 16. Jahrhundert über die Landesgrenzen hinaus für den Silberbergbau von hoher Bedeutung war, sollen Knappen nach Serfaus gekommen sein. Um 1800 wurde allerdings ein Schmelzwerk stillgelegt und damit fand der Bergbau in Serfaus ein Ende. Spätere Bemühungen um eine Reaktivierung scheiterten.
Armut, Abwanderung und Saisonarbeit
Für mehr als 100 Jahre, von ca. 1800 bis 1910, war Serfaus aufgrund fehlender ökonomischer Perspektiven eine Abwanderungsgemeinde. Einzig die Landwirtschaft ließ ein Überleben in dieser Region zu. Es war schwierig, die anwesende Bevölkerung zu ernähren. Zur Entlastung der Nahrungsmittelknappheit und um ein wenig Bargeld zu verdienen, verdingten sich Männer als saisonale Arbeitskräfte und Handwerker im In- und Ausland. Kinder wurden zu Bauernhöfen im Schwabenland geschickt („Schwabenkinder“), damit sie als Esser „vom Tisch“ waren und vielleicht mit einer neuen Garnitur Kleider und Taschengeld im Herbst nach Hause kamen.

Vom Bauerndorf zur Tourismusgemeinde
Erst mit dem einsetzenden Tourismus ergaben sich im 20. Jahrhundert neue Erwerbsmöglichkeiten. Die Bevölkerung wuchs wieder, vor allem mit dem Aufkommen des Wintertourismus als Massenphänomen nach dem Zweiten Weltkrieg. Aus einer armen, landwirtschaftlich geprägten Landgemeinde wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts nach und nach eine weithin bekannte, wohlhabende Tourismusgemeinde.

Frühe Fotografien aus dem bäuerlichen Alltag
Zu den ältesten fotografischen Aufnahmen von Serfaus zählen Bilder aus den 1920er Jahren, die landwirtschaftliche Tätigkeiten zeigen.

























