Station 7: Alte Gasthäuser

Station 7: Alte Gasthäuser

Serfauser Wirtshäuser waren schon lange vor dem Wintertourismus wichtige Treffpunkte und Unterkünfte für Reisende, Händler und Handwerker. Mit dem aufkommenden Fremdenverkehr entwickelten sich ab dem späten 19. Jahrhundert zunehmend Bauernhäuser zu Gasthäusern und Beherbergungsbetrieben.

Vom Bauernhaus zum Gasthaus

Diese Ansichtskarte aus der Zeit um 1930 erinnert an den frühen Tourismus am „Wintersportplatz Serfaus“. Damals begannen Bauersleute in das Gastgewerbe einzutreten. Sie bauten ihre Häuser zu Beherbergungsbetrieben aus und erweiterten das Angebot für den Fremdenverkehr. Das abgebildete Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“ eröffnete um 1870 und zählte zu den ersten Häusern, die diesen Weg beschritten. Beim großen Dorfbrand von 1942 (siehe Station 8) brannte der Schwarze Adler vollständig nieder. An anderer Stelle wurde er später wieder aufgebaut.

Gasthof Schwarzer Adler am „Wintersportplatz Serfaus“ um 1930. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus
Gasthof Schwarzer Adler am „Wintersportplatz Serfaus“ um 1930. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus

Wirtshäuser als soziale Treffpunkte

Doch lange vor dem Einsetzen des Wintertourismus waren Wirtshäuser wichtige soziale Treffpunkte im Dorf, wo Bauern Geschäfte abschlossen, wo gefeiert und gestritten wurde, und wo weitgereiste Wallfahrerinnen und Wallfahrer ein Bett oder zumindest eine Ofenbank zur Übernachtung erhalten konnten. Auch Wanderhandwerker und Kleinhändler fanden hier – aber auch in den Bauernhöfen – eine Übernachtungsmöglichkeit. In einem Schreiben des Bezirksgerichtss Ried von 1812 an die Gemeinde Serfaus wurden daher nicht nur die Gastwirte, sondern auch Private aufgefordert, die „Fremdenbuchsextrakte“ dem Gericht vorzulegen. Denjenigen, die das Fremdenbuch nicht zeitgerecht vorlegten, wurde eine Strafe angedroht. Die damals bayrische Obrigkeit wollte genau wissen, wer sich weshalb auf Durchreise befand und womöglich aufrührerische Ideen unter die Leute brachte. Nachdem Tirol wieder zu Österreich kam, änderte sich an dieser Kontrolle der Fremden und der Beherbergungsbetriebe nichts.

Was es mit den Wirthausschildern auf sich hat

Anders als entlang der Transitroute über den Reschen im Inntal, wo beispielsweise in Prutz, Ried und Pfunds zur Bewirtung der durchziehenden Händler und Fuhrleute jeweils mehrere Gasthäuser nebeneinanderstanden, gab es im Dorf Serfaus lange Zeit nur ein einziges offizielles Wirtshaus. Gemeint war eine Behausung mit einer obrigkeitlich verliehenen „Wirtsgerechtigkeit“. Wirte und Wirtinnen dieser Betriebe hatten das Recht, aber auch die Pflicht, allen Durchreisenden über Nacht ein Quartier zu bieten – egal, ob arm oder reich. Man erkannte solche Häuser an ihren Wirtshausschildern. Inhaber des einzigen Dorfwirtshauses, genannt „s‘Wiartlas“, war laut Theresianischem Steuerkataster von 1776 Johannes Penz. Das Wirtshausschild des Hotel Löwen (siehe Station 3) stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Zwar auf Serfauser Gemeindegebiet, aber weit entfernt unten im Inntal, befindet sich an der alten Straße ein uraltes Gasthaus im Weiler Tschupbach. Im 19. Jahrhundert befand sich hier beim Gasthaus Tschupbach auch die Haltestation der Pferdepostwagens, mit dem man vergleichsweise bequem reiste. Der Gasthofbesitzer war gleichzeitig Posthalter. Reisende, die nach Serfaus wollten, konnten sich hier noch einmal stärken, bevor es zu Fuß oder mit einem kleinen Leiterwagen weiterging.

Gästetransport von Tschupbach nach Serfaus um 1927. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus
Gästetransport von Tschupbach nach Serfaus um 1927. Bildquelle: Gemeindearchiv Serfaus

Klage über nächtlichen Lärm

In einem Beschwerdebrief des Pfarrers an den Bischof von Brixen von 1870/75, war von zwei Gasthäusern in der Nähe des Widums die Rede: Der Pfarrer klagte über den ungebührlichen Lärm aus den Gaststätten, der ihm den nächtlichen Schlaf raubte. Gemeint waren das alte Gasthaus unterhalb des Widums, bekannt als „s’Wiartlas“, und nun auch der Gasthof „Zum Schwarzen Adler“. Für seinen Hof hatte der Bauer Josef Purtscher (Flores) damals eine „Schankgerechtsame“ erworben, das heißt, er durfte Gäste bewirten und Alkohol ausschenken. Als drittes Gasthaus eröffnete 1924 das Gasthaus Furgler – ebenfalls in einem ehemaligen Bauernhaus (siehe Station 10).

Buschenschenken, an denen im Unterschied zu den Gasthöfen kein warmes Essen angeboten werden durfte, dafür aber auch selbstgebrannter Schnaps ausgeschenkt wurde, rundeten das Angebot ab. 1869 wurde im Taufbuch der Pfarre als Kindsvater ein Josef Pegger als „Tischler und Buschenwirt“ bezeichnet. 1872 existierte eine weitere Buschenschenke auf dem Muiren, heute Untere Dorfstraße 1.

Rolle der Wirtinnen und Wirte im alten Serfaus

Wirte und Wirtinnen spielten in der Geschichte des Dorflebens stets eine zentrale Rolle. Sie erhielten als Erste Informationen aus der weiten Welt. In dörflichen Konflikten sollten sie sich neutral verhalten und konnten bei Streitereien eine Vermittlerrolle einnehmen. Wirte bezeugten Kaufverträge oder Testamente, saßen im Gemeinderat oder stellten die Bürgermeister. Wirte und Wirtinnen verliehen Geld und übernahmen Patenschaften für neugeborene Kinder im Dorf. Oft waren sie mit anderen Wirtsfamilien verwandt, denn Wirtstöchter heirateten oft Wirtssöhne.

Bildquelle: Hotel Adler, Serfaus. https://www.adler-serfaus.at/de/uber-uns/geschichte/
Bildquelle: Hotel Adler, Serfaus. https://www.adler-serfaus.at/de/uber-uns/geschichte/

Vom Gasthaus zum Grandhotel

Wie aus den alten Gasthäusern moderne Hotelbetriebe wurden, lässt sich besonders gut anhand des „Schwarzen Adler“ mitten im Dorf erzählen. Eröffnet um 1870 mit vier Gästebetten, wurde das Gasthaus 1913 bei den Innsbrucker Freunden des Wintersports durch eine Empfehlung in Leo Handls „Ski-Führer durch die Samnaungruppe“ bekannt. Damals verfügte das Gasthaus über acht Fremdenbetten. Mit dem zunehmenden Tourismus wurde das Angebot rasch ausgebaut. In der Saison 1932/33 standen bereits 18 Betten zur Verfügung, und das Gasthaus verfügte als erstes Haus über eine Telefonverbindung. Wie erwähnt, brannte der Schwarze Adler 1942 vollständig nieder. Nach der Hochzeit der Wirtstochter Elisabeth Vögele mit dem Schweizer Karl Luggen wurde das Gasthaus 1954 an neuer Stelle wieder eröffnet.

Gasthof Schwarzer Adler um 1960. Bildquelle: Sammlung Risch-Lau, Vorarlberger Landesbibliothek
Gasthof Schwarzer Adler um 1960. Bildquelle: Sammlung Risch-Lau, Vorarlberger Landesbibliothek

Aufbruch zum modernen Tourismus

Ein Zeitungsartikel vom Dezember 1954 bewirbt das neue „Grandhotel“ von Serfaus und dokumentiert nicht nur den Wandel des alten Gasthofs zu einem modernen Hotel, sondern auch die Aufbruchsstimmung der Wirtschaftswunderjahre nach der kargen Nachkriegszeit:

Wie gut sich das Alte mit dem Neuen paart, sieht man am eindrucksvollsten am neuerstandenen „Schwarzen Adler“. Mit diesem Gasthof, der heute zum Modernsten zählt, was das oberste Inntal dem Fremden zu bieten hat, ist eine lange Geschichte verbunden, und die Wiedereröffnung schließt die letzte Lücke des großen Brandes. Als einer der ersten Gasthöfe stellte der „Schwarze Adler“ vier Betten den Fremden zur Verfügung. Der fortschreitende Aufschwung der Gemeinde und der wachsende Fremdenverkehr machten es aber bald notwendig, den Fremden mehr Raum zur Verfügung zu stellen, und der „Schwarze Adler“ brachte es unter dem rührigen Wirt Franz Vögele auf über 30 Betten, eine um so ansehnlichere Leistung, als kaum zehn Jahre vor dieser Errungenschaft die Fremden noch in den Stuben auf Ofenbänken übernachten mußten. Aber in jener unheimlichen Brandnacht wurde auch der „Schwarze Adler“ ein Raub der Flammen. Welcher Sorgen und Anstrengungen es bedurfte, bis der „Schwarze Adler wieder so dastand, wie er sich heute dem Fremden präsentiert, vermag nur Herr Vögele selbst zu sagen, der heute den Gasthof seiner Tochter Elsa und seinem Schwiegersohn Karl Luggen übergeben hat und selbst nur noch die Landwirtschaft des „Serfauser Grandhotels“ bearbeitet. Der heutige „Schwarze Adler“ besitzt wirklich alles, was ein so aufgeschlossener und viel besuchter Fremdenverkehrsort wie Serfaus benötigt: Zimmer mit Bad oder Dusche, Ölheizung für jedes Zimmer, einen hellen Speisesaal, ein Matratzenlager für 40 Personen, gemütliche Gastlokale – eine glückliche Mischung zwischen moderner und ländlicher Auffassung. Man braucht nur einen Abend in diesen Räumen zu verbringen, um zu wissen, daß sich in diesem Großgasthof selbst die verwöhntesten Fremden wohlfühlen werden – und man braucht nicht einmal die elegante, gewölbte Kellerbar gesehen zu haben…

Tiroler Nachrichten, Dezember 1954

Zuletzt aktualisiert am: 03.09.2026