Station 15: Widum

Der Widumgarten als Friedhof
Der Widum von Serfaus ist ein mittelalterlicher Bau aus der Spätgotik (ca. 1350 bis 1500). Der großzügige Garten diente nicht immer dem Anbau von Gemüse und Früchten. Bis ins 17. Jahrhundert gehörte die Nachbargemeinde See im Paznauntal zur Mutterpfarre Serfaus. See war über den weiten Umweg über das Inntal, Landeck und Pians erreichbar, der kürzeste Weg führte aber über das Furglerjoch (2.748 m). Wenn in See jemand starb, wurde der Leichnam über das Joch nach Serfaus transportiert. Der Friedhof von See („Seaber Friedhof“) befand sich unmittelbar südlich des Widums im heutigen Garten. Um 1970 wurden dort menschliche Knochen gefunden, die Rückschluss auf diesen alten, schon lange aufgelassenen Friedhof geben. Es heißt, dass die Toten von See im Winter, wenn das Furglerjoch unpassierbar war, auf Dachböden oder in Scheunen eingefroren wurden, bis der Weg nach Serfaus wieder frei war. Bis ins 17. Jahrhundert wurden auch die Toten von Fiss und Ladis in Serfaus begraben, ebenfalls auf Flächen im heutigen Widumgarten.

Der Widum als landwirtschaftlicher Betrieb
Zur Versorgung des Pfarrers diente nicht nur der Widumgarten, sondern auch mehrere Stiftungen. Schon im 14. Jahrhundert wurde der Widum mit zwei Ochsen, Saatgut und vier Rindern ausgestattet. Der Pfarrer, der dies gestiftet hatte, vermerkte: „Dies alles soll bleiben auf dem Widum ewiglich mir und allen meinen Nachkommen“. Auch ein Pferd mit Sattel, Zaumzeug und Sporen wurde eingestellt, es diente dem Pfarrer als Transportmittel für die seelsorglichen Tätigkeiten. Zu diesem Widumgut gehörten später viele Bergwiesen und landwirtschaftliche Güter, sodass die Pfarre Serfaus aufgrund der hohen Abgaben an den Bischof als wirtschaftlich potent galt. Aufgrund der vielen Besitzungen und seinem Charakter als Landwirtschaftsbetrieb gehörten zum Widum auch Stadel und Stall (siehe Fotos; heute im Bereich U-Bahn Station „Kirche“).

Restaurierung und Erhaltung
Anfang des 17. Jahrhunderts wünschte der Pfarrer Martin Patsch einen Beitrag der Gemeinde zur Restaurierung des „armseligen Widums“. Er wünschte die „die Herstellung eines ruhigen Gemaches, um nicht fortwährend durch den Lärm der Zecher in den beiden benachbarten Wirtshäusern gestört zu werden.“ Der mittelalterliche Bau dürfte damals noch unverändert gewesen sein. Auch der nächste Pfarrer beklagte „den elenden Widum in Serfaus“. Eine Restaurierung und Vergrößerung ist schließlich für Anfang des 18. Jahrhunderts nachweisbar. Obwohl die Pfarren Ladis, Fiss und See, die ursprünglich zur Mutterpfarre Serfaus gehört hatten, schon lange eigenständig waren, wurden sie gezwungen, einen finanziellen Beitrag zur Erneuerung des Widums zu leisten. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der jeweilige Serfauser Pfarrer verpflichtet, notwendige Erhaltungsarbeiten vorzunehmen. 1953/54 und 1996/97 fanden weitere Erneuerungs- und Umbauarbeiten statt.
Denkmalschutz
Der Widum mit Garten und Gartenhäuschen („Salettl“) steht unter Denkmalschutz. Dieses Ensemble wurde auch in den Tiroler Kunstkataster aufgenommen. Dort heißt es, dass der im Kern mittelalterliche Bau durch zahlreiche Umbauten völlig verändert wurde. Im Original erhalten ist nur noch die Stube mit spätgotischem Holzbalkentonnengewölbe und das halb eingeputzte Tuffsteinportal aus dem 16. Jahrhundert. Das zweigeschoßige Gebäude ist über die Traufseite erschlossen und hat ein Satteldach mit Bundwerkgiebel. Östlich unterhalb des Widums befindet sich ein als Blumen- und Küchengarten genutzter, in der heutigen Form in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegter Gemüsegarten samt Obstgarten und hölzernem Gartenhäuschen.






















