Station 3: Hotel Löwen / Gatterhof

Die erste urkundliche Erwähnung des Gatterhofs
1381 wurde jene Urkunde ausgestellt, die den Gatterhof erstmals nennt. Es handelt sich um eine Stiftung für das Seelenheil, wie nachstehende Zusammenfassung zeigt. Das Original befindet sich im Gemeindearchiv Serfaus.

Der Funktionswandel des Gatterhofs
Bis 1933 war der Gatterhof ein landwirtschaftlicher Betrieb. Die Eigentümerin Maria Kirschner tauschte in diesem Jahr den Gatterhof gegen das „Wiartles“-Haus. Wie der Name schon andeutet, war das „Wiartles“-Haus ein altes Serfauser Wirtshaus, das sich unterhalb des Widums nahe der Kirche befand. Durch diesen Tausch kam es nicht nur zu einem Eigentümerwechsel, sondern auch zu einem Wechsel der Funktion der beiden Häuser. Mit der Familie Schuler gelangte nämlich auch die Gastgewerbekonzession des alten „Wiartles“-Hauses mit dem Namen „zum Löwen“ auf den Gatterhof. Im Dezember 1937 eröffnete Ökonomierat Franz Schuler den neuen Gasthof „zum Löwen“.

Fresken, Wappen und verlorene Urkunden
Die heute sichtbaren Fresken und Wappen an der Fassade kamen bei der Renovierung zum Vorschein. Einem Artikel aus dem Tiroler Anzeiger vom 24. Dezember 1937 zufolge wurden die alten Urkunden aus dem Gatterhof von einem „Alterthumssammler verschleppt“. Das Gasthaus wurde später in ein Familienhotel umgebaut.

Die Stachelburger und der Gatterhof
An der straßenseitigen Fassade befindet sich das Wappen der Stachelburger, einem Geschlecht aus Latsch im Vinschgau. Sie besaßen das Gut vom 16. Jahrhundert bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1809, bewirtschafteten es aber nicht selbst. Über Jahrhunderte wurde der Hof an verschiedene Serfauser Familien pachtweise vergeben. Der letzte Stachelburger fiel als Kommandant der Algunder Schützen in der ersten Bergiselschlacht von 1809, als die Tiroler sich gegen die seit 1805 bestehende bayerische Herrschaft auflehnten. Noch im selben Jahr kaufte Josef Geiger den „Graf-von-Stachelburgischen Gatterhof“. Geiger war Bauer, Bürgermeister, Kirchenvogt und Gerichtsverpflichteter in Serfaus.

Burgunderkreuz und Bindenschild
An zwei Seiten der Fassade befindet sich das Burgunderkreuz mit den links und rechts angebrachten österreichischen Bindenschilden sowie oben und unten dem Symbol des Ordens vom Goldenen Vlies. Es wird vermutet, dass diese Symbolik die Zugehörigkeit dieses Hofes zum Haus Habsburg unterstreicht. Der Bindenschild geht auf eine Lehensfahne des Geschlechts der Eppensteiner (Herzöge von Kärnten, 1122 ausgestorben) zurück, die später von den Babenbergern als Hauswappen geführt wurde, das wiederum von den Habsburgern übernommen wurde. Es gibt mehrere Entstehungslegenden zum Bindenschild. Die bekannteste ist jene vom Babenberger Herzog Leopold V. aus dem Dritten Kreuzzug von 1189 bis 1191. Nach der Schlacht bei Akkon soll sein weißes Gewand so blutgetränkt gewesen sein, dass nur mehr die Stelle unter dem Schwertgürtel weiß blieb. Aus dieser politisch motivierten Legende entstand später das rot-weiß-rote Wappenschild Österreichs.

Der Orden vom Goldenen Vlies
Der im Jahr 1430 vom burgundischen Herzog Philipp dem Guten gegründete Orden vom Goldenen Vlies ist ein noch immer bestehender Ritterorden, der von einem Großmeister geführt wird. Nach dem Aussterben der burgundischen Herzöge ging die Großmeisterwürde auf Kaiser Maximilian I. über, der mit der Tochter des letzten Burgunders, Maria, verheiratet war. Seither waren stets – und bis heute – Habsburger Großmeister des österreichischen Ordenszweigs. Der Orden vom Goldenen Vlies steht für ritterliche Tugenden und Treue zur katholischen Kirche.























